Krieg der Streaming-Dienste – Angriff der Maus

The Mandalorian zuerst auf ProSieben

Mit Überraschung hat das FfF-Team reagiert als die Pressemitteilung bei uns herein kam, dass ProSieben die erste Folge von The Mandalorian am 22. März 2020 zeigen wird. Nicht nur, dass die Free-TV-Premiere überraschend früh auf deutschen Bildschirmen läuft –  es handelt sich sogar um die deutsche Erstausstrahlung. Disney+ startet nämlich erst zwei Tage später.

Einerseits freuen wir uns, dass wir zwei Tage früher in den Genuss des Weltraumwesterns kommen. Andererseits fragen wir uns, was hinter dieser Aktion steckt. Immerhin dürfte diese Serie das Zugpferd für den neuen Streaming-Dienst sein. Solche Zugpferde wurden bisher von anderen Sendern und Streaming-Diensten gehütet wie ein Augapfel. Immerhin dient dieser exklusive Top-Content dazu, sich in der immer größer werdenden Menge an Anbietern und Serien hervor zu heben.

Da wirkt Disneys Entscheidung doch seltsam auf den ersten Blick. Der Medienriese, dem unter anderem auch der Content von Marvel und Pixar gehört, verschenkt so etwas Wertvolles? Auf den zweiten Blick stellt man fest, dass bei der Ankündigung nur von der Pilotfolge die Rede ist. Auf Nachfrage wurde uns seitens ProSiebens bestätigt, dass ausschließlich die erste Folge gezeigt wird, mehr nicht. Somit hat diese quasi die Funktion eines langen Trailers. Sie soll Bock auf den Rest machen und vermutlich zum Abonnement von Disney+ anregen.

Nichtsdestotrotz ist Disneys Strategie mit dem neuen Streaming-Dienst einen genaueren Blick wert. Was steckt hinter den Entscheidungen des Unternehmens? Bereits die Entscheidung den Start von Disney+ im November 2019  auf wenige Länder zu beschränken, hatte für Überraschung gesorgt. Die Konsequenz war, dass The Mandalorian zu den am meisten illegal herunter geladenen Serien 2019 gehört (Quelle: https://www.bento.de/tv/netflix-disney-amazon-wir-wuerden-ja-gern-fuer-streaming-bezahlen-aber-a-5b137613-c898-4842-836a-2fdfcd037728).

Ist die Konsequenz hieraus, dass sich Disney vom Madalorianer nicht mehr die Zugkraft verspricht, die man sich beispielsweise beim US-Start versprochen hatte? Oder ist das alles Teil einer umfassenden Strategie im Kampf um Abonnenten? Wäre letzteres der Fall, wäre dies eine komplexe und kreative Form in den Krieg der Streaming-Dienste einzusteigen. Spannende Fragen für die wir aber eine Antwort schuldig bleiben müssen.

Aber weil die Streaming Wars diese und noch viele weitere spannende Fragen aufwerfen, wird sich Folge für Folge in künftigen Spotlights dem Thema zuwenden. Nicht zu vergessen auch die Serie The Mandalorian, der wir unseren zweiten Deep Dive widmen werden.

Folge für Folge wird in den kommenden Episoden nicht nur tief in The Mandalorian eintauchen, sondern sich auch mit dem Krieg der Streaming-Dienste beschäftigten. Abonniert uns und verpasst keine Folge zu diesen und weiteren spannenden Themen!

Das Buch vor der Serie

Transmediales Storytelling im Star Trek-Universum

Karrikatur zur Vorgeschichte von Star Trek: Picard.
Die Vorgeschichte in vier Bildern

Was Admiral A.D. Jean-Luc Picard und seine Crew auf Freecloud erleben, erfahren Fans durch die Serie Star Trek: Picard. Folgen dieser Serie erscheinen im wöchentlichen Rhythmus auf Amazon Prime Video. Sie setzt die Handlung einer anderen Serie*, knapp drei Dekaden nach deren Ende, fort. Was in der Zwischenzeit geschieht, erfahren die Zuschauer teilweise durch Flashbacks oder aus Dialogen in vereinzelten Szenen.

Wer mehr erfahren möchte, hat Glück. Neben der Serie greifen die Macher auf weitere Medien zurück um die Handlung zu erzählen. In drei Comic-Heften, einem Kurzfilm und einem Roman wird die Vorgeschichte zur Serie tiefgreifender erzählt, als es das Hauptmedium erlaubt.

Transmediales Storytelling (in der Folge TMS abgekürzt) nennt sich dieses Konzept. Der Medienwissenschaftler Henry Jenkins beschreibt dieses Konzept in seinen Büchern, Vorträgen und seinem Blog**. Im Prinzip geht es darum, dass eine Erzählung nicht über ein Medium, sondern über mehrere Medien hinweg erzählt wird. Dabei nutzen die Erzählenden die Charakteristika der jeweiligen Medien, um die Story bestmöglich zu gestalten. So ist z.B. eine Raumschlacht in Film und Serie spektakulärer darstellbar, während tiefgreifende Gedankengänge besser in einem Roman präsentiert werden können.

Ein prominentes Beispiel aus der jünsten Vergangenheit für TMS findet sich bei Star Wars. Das Hauptmedium für die Erzählung sind hier ganz klar die Kinofilme. Doch auch hier wurden die Lücken in der Handlung u.a. gefüllt mit Romanen, Kinofilmen und sogar Shows in den Freizeitparks der Walt Disney Company, welcher das Franchise inzwischen gehört. Jedoch ist Star Wars gleichzeitig ein Beispiel für Schwächen des TMS. Die Filme greifen immer nur einen kleinen Teil des Großen Ganzen auf und erklären nicht viel von dem was sonst geschah. Auch sind die einzelnen Medien nicht vollständig aufeinander abgestimmt oder widersprechen sich. Das alles kann sich negativ aus das Rezeptionsempfinden auswirken und der Erzählung als Ganzem schaden.

Es gibt aber auch gelungene Umsetzungen von TMS. Der jüngst erschienene Roman Star Trek – Picard: Die letzte und einzige Hoffnung (Original: Star Trek: Picard: The Last Best Hope) von Una McCormack ist so ein Beispiel. Auf 400 Seiten werden die Implikationen beschrieben, die mit der Zerstörung des Planeten Romulus einhergehen. Dazu gehören der wachsende Widerstand der Mitgliedswelten der Föderation, die zunehmende Überforderung der romulanischen Führung und Picards Umgang mit den Widerständen bei der von ihm geführte Rettungsmission. Leser tauchen dabei viel tiefer in die Zusammenhänge ein und erleben die Perspektiven in viel größerer Datailliertheit, als es Zuschauer können. Dazu fehlt dem Medium Serie schlicht die Zeit und der Immersionscharakter des Mediums Buch.

Die Macher der Serie schaffen es die Erweiterungen einzubinden, aber die Haupterzählung so zu gestalten, dass dem Zuschauer nichts fehlt. Er muss nicht das Buch lesen, um alles zu verstehen. Aber er kann und wird dafür mit einem tiefergehenden Erlebnis belohnt.

Wer mehr zu dem Roman erfahren möchte, kann diesen lesen oder die neueste Ausgabe von Folge für Folge. Der Serien-Podcast hören, die in Kürze erscheint.

*Star Trek: The Next Generation

**http://henryjenkins.org/