Transmediales Storytelling im Star Trek-Universum

Was Admiral A.D. Jean-Luc Picard und seine Crew auf Freecloud erleben, erfahren Fans durch die Serie Star Trek: Picard. Folgen dieser Serie erscheinen im wöchentlichen Rhythmus auf Amazon Prime Video. Sie setzt die Handlung einer anderen Serie*, knapp drei Dekaden nach deren Ende, fort. Was in der Zwischenzeit geschieht, erfahren die Zuschauer teilweise durch Flashbacks oder aus Dialogen in vereinzelten Szenen.
Wer mehr erfahren möchte, hat Glück. Neben der Serie greifen die Macher auf weitere Medien zurück um die Handlung zu erzählen. In drei Comic-Heften, einem Kurzfilm und einem Roman wird die Vorgeschichte zur Serie tiefgreifender erzählt, als es das Hauptmedium erlaubt.
Transmediales Storytelling (in der Folge TMS abgekürzt) nennt sich dieses Konzept. Der Medienwissenschaftler Henry Jenkins beschreibt dieses Konzept in seinen Büchern, Vorträgen und seinem Blog**. Im Prinzip geht es darum, dass eine Erzählung nicht über ein Medium, sondern über mehrere Medien hinweg erzählt wird. Dabei nutzen die Erzählenden die Charakteristika der jeweiligen Medien, um die Story bestmöglich zu gestalten. So ist z.B. eine Raumschlacht in Film und Serie spektakulärer darstellbar, während tiefgreifende Gedankengänge besser in einem Roman präsentiert werden können.
Ein prominentes Beispiel aus der jünsten Vergangenheit für TMS findet sich bei Star Wars. Das Hauptmedium für die Erzählung sind hier ganz klar die Kinofilme. Doch auch hier wurden die Lücken in der Handlung u.a. gefüllt mit Romanen, Kinofilmen und sogar Shows in den Freizeitparks der Walt Disney Company, welcher das Franchise inzwischen gehört. Jedoch ist Star Wars gleichzeitig ein Beispiel für Schwächen des TMS. Die Filme greifen immer nur einen kleinen Teil des Großen Ganzen auf und erklären nicht viel von dem was sonst geschah. Auch sind die einzelnen Medien nicht vollständig aufeinander abgestimmt oder widersprechen sich. Das alles kann sich negativ aus das Rezeptionsempfinden auswirken und der Erzählung als Ganzem schaden.
Es gibt aber auch gelungene Umsetzungen von TMS. Der jüngst erschienene Roman Star Trek – Picard: Die letzte und einzige Hoffnung (Original: Star Trek: Picard: The Last Best Hope) von Una McCormack ist so ein Beispiel. Auf 400 Seiten werden die Implikationen beschrieben, die mit der Zerstörung des Planeten Romulus einhergehen. Dazu gehören der wachsende Widerstand der Mitgliedswelten der Föderation, die zunehmende Überforderung der romulanischen Führung und Picards Umgang mit den Widerständen bei der von ihm geführte Rettungsmission. Leser tauchen dabei viel tiefer in die Zusammenhänge ein und erleben die Perspektiven in viel größerer Datailliertheit, als es Zuschauer können. Dazu fehlt dem Medium Serie schlicht die Zeit und der Immersionscharakter des Mediums Buch.
Die Macher der Serie schaffen es die Erweiterungen einzubinden, aber die Haupterzählung so zu gestalten, dass dem Zuschauer nichts fehlt. Er muss nicht das Buch lesen, um alles zu verstehen. Aber er kann und wird dafür mit einem tiefergehenden Erlebnis belohnt.
Wer mehr zu dem Roman erfahren möchte, kann diesen lesen oder die neueste Ausgabe von Folge für Folge. Der Serien-Podcast hören, die in Kürze erscheint.
*Star Trek: The Next Generation